Am 02.03.2026 traf sich das KarboEx2-Projektteam in einem Online Meeting zum Abgleich der Arbeiten.
Seit dem letzten Projekttreffen 2025 konnten im AP 2.1 signifikante Fortschritte bei der Sicherung und Sichtung von Explorationsdaten aus dem RAG-Archiv erzielt werden. Die Digitalisierung der Feld- und Prozessbänder für die Flächenseismiken Budberg 1 und 2, Strommoers, Ankerweide, Freudenberg und Eppinghoven befindet sich in der Umsetzung. Dabei hat sich gezeigt, dass Datensätze mit einer Schreibdichte von 1.600 bpi verlässlich einlesbar sind, während bei 800 bpi-Bändern (z. B. Osterfeld 1978) vermehrt Parity-Fehler auftreten. Parallel dazu wurde für das AP 2.2 die Sichtung von Tiefbohrungen weiter fortgeführt. Von ca. 750 verfügbaren Bohrungen wurden bereits über 100 intensiv geprüft, wobei 20 Datensätze mit relevanten Temperaturlogs identifiziert wurden, die künftig wertvolle Einblicke in das lokale thermische Gebirgsfeld bieten könnten. Im AP 3.1 wird weiter an der Reduktion von Störsignalen der Flächenseismik Prosper-Haniel-3D gearbeitet. Zu diesem Zweck wird zunächst die Bin Size von 50 m auf 25 m. Dies soll die Auflösung des seismischen Abbilds erhöhen. In einem weiteren Schritt soll die Qualität anhand einer Advanced-CRS-Stapelung weiter verbessert werden. Die Digitalisierung der Flächenseismiken wird bis Mitte 2026 abgeschlossen sein, was eine flächenmäßige Erweiterung der Rheinberg-3D-Seismik ermöglicht. Die bisherigen Ergebnisse aus dem Prozessing wurden bereits Ende 2025 für eine moderne 3D-Interpretationssoftware aufbereitet und einer ersten Interpretation durch die DMT unterzogen; für weiterführende Interpretationen wurden die Datensätze an die RWTH Aachen übergeben.
AP 6.2
Ein 25×25 km2 großes Untersuchungsgebiet, das die von den Projektpartnern definierten Zielgebiete der Seismik Dinslaken und Rheinberg umfasst, wurde für die detaillierte Analyse in einem dreidimensionalen FEM-Modell abgegrenzt.
Das Gebiet wird von 24 dreidimensional modellierten Störungen des GTC-/ExBo-Modells des Geologischen Dienstes NRW (2025) durchzogen. Diese Störungen wurden hinsichtlich ihres Versatzes analysiert; zudem wurden empirische Korrelationen zwischen Versatz, Mächtigkeit der Zerrüttungszone und Permeabilität untersucht.
Neben den beiden Zielhorizonten Massenkalk und Unterkarbon wurden folgende Homogenbereiche definiert: Oberkarbon, Pennsylvanium sowie Deckgebirge. Zur Parametrisierung dieser Einheiten anhand effektiver petrophysikalischer Eigenschaften wurden insgesamt 281 Schichtenverzeichnisse aus der Bohrungsdatenbank DABO im Untersuchungsgebiet ausgewertet. Im nächsten Arbeitsschritt wird methodisch festgelegt, wie aus den lithologischen Beschreibungen mittels gewichteter Mittelwerte repräsentative effektive Eigenschaften abgeleitet werden können.
Die aktuelle Temperaturkarte von GeoTIS wurde für das Untersuchungsgebiet analysiert. Entlang der Störungen sind keine ausgeprägten Temperaturanomalien erkennbar. Dies ist vermutlich auf die vergleichsweise grobe horizontale Auflösung (2 × 2 km²) sowie auf eine mögliche Glättung kleinräumiger Anomalien infolge des angewandten geostatistischen Verfahrens (Kriging) zurückzuführen. Ergänzend könnten nicht digitalisierte Temperaturmessungen aus den Bohrverzeichnissen der RAG AG zusätzliche Erkenntnisse liefern. Eine Anfrage wurde dafür gestellt.
Im nächsten Schritt soll anhand eines vereinfachten Dummy-Modells der Einfluss von Störungszonen auf gängige Potenzialanalysemethoden (Heat-in-Place, Doublet-Berechnungen, transiente Finite-Elemente-Simulationen) systematisch untersucht werden.
Des Weiteren wurden weitere Arbeiten im Zuge des AP 5.3 – Felskartierung vorgestellt. Hier wurde speziell auf die Orientierung der eingemessenen Klüfte eingegangen.
Im Zielgebiet Rheinberg-Prosper wurden insgesamt 538 Bohrungen erfasst, welche das Auswahlkriterium einer Mindestteufe von 300m erfüllten. Dieses Kriterium dient dazu, dass vorrangig Bohrungen der Rohstofferkundung mit einer geeigneten Teufe betrachtet werden. Nach der Katalogisierung der Bohrungen und Sicherung der Daten wurden in Absprache mit den Projektpartnern für die Modellierung 3 relevante Schichten (Anhydrit, Steinsalz und Kohle) festgelegt. Die vorliegenden Bohrungsdaten wurden im Hinblick auf die Erfassung der Schichten neu bearbeitet. Die resultierenden Datensätze beinhalten bezogen auf die jeweiligen Schichten für alle erfassten Bohrungen die Bezeichnung der Bohrung, Koordinaten (UTM, 32U), die Endteufe sowie die Anzahl und Beschreibung der relevanten Schichten mit Teufe und Mächtigkeit. Dies ermöglicht eine genaue punktuelle Verortung für die Entwicklung des Modells.
Es wurde ein umfassender Datensatz zusammengestellt, um die Interpretation der 3D-Seismikwürfel im Projektgebiet besser einschränken zu können. Dieser Datensatz umfasst Bohrlochkopfdaten aus der DABO-Datenbank des GD NRW, Strukturmodelle relevanter geologischer Formationen und Verwerfungen innerhalb des Untersuchungsgebiets sowie kartierte Verwerfungen und Falten im Karbon-Intervall. Darüber hinaus wurde eine Bias-Varianz-Trade-off-Analyse auf Basis des Variational Gaussian Process (VGP) sowohl für einfache als auch für komplexe Testfälle durchgeführt. Die Modelle sind in 1D implementiert, können aber auf höhere Dimensionen erweitert werden. Die Bias-Varianz-Bewertung besteht darin, das Modell anhand einer Teilmenge der verfügbaren Beobachtungen (zusammen mit einer vorgegebenen Menge von Induktionspunkten im VGP-Rahmen) zu trainieren und die Verzerrung und Varianz des Schätzers zu quantifizieren, indem die Unterschiede zwischen den vorhergesagten und den tatsächlichen Werten an bestimmten räumlichen Koordinaten untersucht werden. Die Vorhersagen liefern den wahrscheinlichsten Wert an jeder Koordinate, begleitet von einer Standardabweichung, die die damit verbundene Unsicherheit quantifiziert. Die Auswirkungen auf den Bias-Varianz-Kompromiss wurden durch Variation wichtiger Modellparameter untersucht, darunter die Anzahl der Induktionspunkte (zur Steuerung der Modellkomplexität), die Anzahl der Beobachtungspunkte, die Anzahl der Trainingsiterationen und andere Hyperparameter.